Rassegna storica del Risorgimento

1859 ; AUSTRIA
anno <1937>   pagina <1578>
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1578 Friedrich Engel von lanosi
wie bereits wiederholt bemerkt wurde, in unserem Interesse iiber den Rhein nach Frankreicn gespielt werden muss, robe sodami auf Oester reicbs Schultern, eine Aufgabe die an sich schon die hochsten Kraffce in. Aasprucb nimmt, jedoch gar nicbt iiberaommen werden konnte, wenn wir gezwungen wiiren, auch Russland das ungeachtet seiner dermaligen Scnwàehung ini Innexn unsere Grànzen jederzeit mit mindestens 200.000 Mann bedrohen kann, die Spize biethen zu miissen. Und sind wir aber in solcb ungleichem Kampfe gelàhmt oder geschla-gen, so zahlt ein sicb vielleicht dann erst erhebendes Deutscbland nichts mehr. AngesichtB aller dieser denkbaren Eventuahtàten ist die gànzliche Unklarneit der politischen Situation jezt schon eine nicht genug zu beklagende Kalamitàt, welche jeden Galkul unmòglich macht. Bei der Wahl von so ausserordentlichen Massnahmen, wie sic zur Erhaltung der bochsten Interessen nunmehr ergriffen werden miissen, bescbleunigt Bodenlosigkeit in der Politik nur das Verderben. Der Feldzeugmeister dringt desshalb auf die vom Generaladjutanten S. Maj. ausgesprochene Forderung, dass durch den Minister des Aeussern eruirt und offesi dargelegt werde in welcher Stellung Oesterreich in dem bevorstehenden Krige gegen Frankreich und Sardinien, sich anderen Màchten gegenuber befinden wird.
Nachdem hierauf der Minister des Aeussern ebenfalls sein Bedauern uber die bestehende Unsicherheit der politischen Lage auspricht, die als traùriges Zeichen eine Zeit charakterisirt, in welcher alle Staaten nur den Impulsen des Momentes zu folgen gewohnt sind, kann er nur wiederholen, dass sich etwas Verlassliches iiber die kumftige Haltung der Màchte nicht aufstellen lasse. Abgesehen von Gonjekturalpolitik, glaube er ubrigens doch an eine ehebaldige Entscheidung von Deut-schland, das sich in einer oder der anderen Weise werde definitiv ausspréchen miissen, wenn Oesterreich was beina Beginne des Krieges in Italien geschehen wird mit dem Antrage zur Mobil-machung des Bundesheeres an den Bund geht. Graf Buoi ist tiberzeugt, dass die innere Stimmung Deutschlands fur uns ist; doch die Gabinete, zumai jenes von Berlin, timide in ihren Schritten, werden sieherlich Bchwer zu einem Entschlusse gelangen, daher der Erfblg noch dem grdBsten Zweifel unterliegt. Von Russland, das weniger von Interessen als Eindriìken geleitet wird, ist im allerbesten Falle anzunehmen, dass es uns geme an die MOglxchkeit auch dessen glaubcn machen wird, was es vielleicht nicht zu thun Willens ist. Einen Krieg am Rheine aber werde es "ubrigens nicht zusehen kttnnen, ohne auch seinerseits Demon-strationen zu machen.